| Nordhessen intim - ein Lesebuch |
"Es besteht kein Zweifel, Sie sind schwanger. Herzlichen Glückwunsch!“ Der Arzt legt die Instrumente beiseite und tastet noch einmal. Er schaut nicht auf.
Tanja ist überglücklich. „Nun, Sie sind bereits, na, schätzungsweise in der neunten Woche, also wird das Baby Ende Mai zur Welt kommen.“ Der Arzt wendet sich seinem Schreibtisch zu. „Sie können aufstehen und sich anziehen“, sagt er. Tanja klettert vom Stuhl herunter. Endlich! Endlich hat es geklappt und sie bekommt ein Baby. Sie zieht sich langsam und vorsichtig in der Kabine an, streicht über ihren Bauch ... Der Arzt blickt sie an. „Und? Freuen Sie sich?“ „Und wie!“ strahlt Tanja. „Das ist fein, jetzt sehen wir uns ja alle vier Wochen zur Untersuchung, lassen Sie sich doch bitte draußen gleich einen Termin geben.“ Er begleitet Tanja, bis sie beide vor dem Tresen der Sprechstundenhilfe stehen. „Füll doch bitte mal der jungen Mutter einen Mutterschaftspass aus“, dreht sich zu Tanja und reicht ihr seine Hand: „Alles Gute, und auf Wiedersehen!“ Die nächste halbe Stunde macht Tanja, was die Sprechstundenhilfe von ihr verlangt: wiegen, Bauchumfang und Blutdruck messen und noch vieles mehr. Zum Schluss bekommt sie noch ein paar Bücher über Schwangerschaft und Geburt in einer Tasche und wird verabschiedet: „Bis bald, und alles Gute!“
Sie beschließt, noch nicht gleich nach Hause zu fahren. Die Straßenbahn fährt ab. Tanja geht langsam zu Fuß in die Innenstadt. So viele Menschen sind unterwegs. Sie schaut in gelangweilte, gleichgültige, gehetzte, traurige, verbissene, verbitterte Gesichter. Ihr dagegen ist so leicht zumute, sie hat das Gefühl, auf Wolken zu schweben. Tanja fühlt sich wie in einem Kokon geschützt und gleichzeitig sind ihre Außenfühler hellwach und registrieren alles um sie herum. Sie sieht viele Mütter mit kleinen Kindern, die unterwegs sind und die Kleinen genervt hinter sich herziehen. Sie sieht andere Mütter, die gleichgültig ihren Kinderwagen vor sich herschieben und das Handy am Ohr haben oder die Kopfhörer auf. Tanja versucht, in die Kinderwägen hineinzuschauen. Darin liegen die Babys wie kleine Raupen und ruhen. Sie geht in ein großes Kaufhaus und landet in der Abteilung für Kinderkleidung. So kleine Sachen gibt es! Tanja staunt. Sie kann es immer noch nicht richtig glauben, dass in ihr jetzt etwas heranwächst, was dann solch kleine Sachen brauchen wird. Ein paar Schuhe fallen ihr auf, ganz winzig klein, weiß mit Perlen bestickt. Spontan nimmt Tanja die Schuhe, geht damit zur Kasse und bezahlt. Mit den Schuhen in der Hand setzt sie sich in die Eisdiele. Sie stellt die Schuhe vor sich und bestellt sich einen großen Eisbecher. „Dick werde ich jetzt sowieso, da kann ich mir auch mal so etwas gönnen!“ Sie löffelt den Eisbecher mit Genuss. Leise kichernd denkt sie an das Gesicht, dass Ronny machen wird, wenn sie ihm erzählt, dass er jetzt doch Vater wird. Sie könnten endlich eine richtige Familie werden, mit Vater, Mutter, Kind. Er würde sie bestimmt heiraten und sie würden gemeinsam ein schönes Kinderzimmer aussuchen, in ganz sanften Farben, mit vielen weichen Plüschtieren und richtigem Spielzeug. Sie würde sich allerbestens um das Kind kümmern.
Tanja lässt einen Blick darüber wandern und beginnt, das Chaos aufzuräumen. Von nun an soll alles anders werden. Die kleinen weißen Schuhe stellt sie in Ronnys Springerstiefel... Den Rest der Geschichte erzählt Sylvia im Lifestylebiz Hotel http://www.lifestylebiz.de/wbb2/thread.php?threadid=592 Alleiniges Copyright: Sylvia Hubele
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"Es besteht kein Zweifel, Sie sind schwanger. Herzlichen Glückwunsch!“ Der Arzt legt die Instrumente beiseite und tastet noch einmal. Er schaut nicht auf.
Tanja geht nach draußen. Die ersten Blätter der Bäume sind bereits herbstlich gefärbt, die Sonne scheint, doch die Luft ist bereits kalt, als wäre ein Vorgeschmack auf den Winter darin. Tanja nimmt alles um sich herum überdeutlich wahr, es kommt ihr vor, als sehe sie jetzt die Welt mit neuen Augen, als habe sie die Welt noch nie so intensiv gesehen. Sie lässt sich Zeit, geht ganz vorsichtig, als müsse sie das Kind in ihrem Bauch schützen. Tanja steht an der Straßenbahnhaltestelle. Die Bahn kommt, doch Tanja steigt nicht ein.
Sie überlegt, wie sie Ronny sagen könnte, dass sie ein Baby von ihm bekommt. Da fällt ihr Blick auf die winzigen Schuhe. Das wäre es doch! Mal sehen, ob er was merkt. Langsam begibt sich Tanja auf den Heimweg. Sie öffnet die Wohnungstür. Ronny ist da. Laute Stimmen kommen aus dem Wohnzimmer. Er liegt mit zwei Kumpels auf den Matten, die sie als Sofa und manchmal auch als Bett benutzen. Vor ihnen steht ein Kasten Bier. Im Fernseher läuft ein Video. Tanja geht in die Küche. Dort liegen Pizzareste in Pappschachteln, umgekippte leere Coladosen, das dreckige Geschirr stapelt sich im Abguss, in einem Topf sind eingetrocknete Nudelreste mit Tomatensoße.