| Am Anfang war das Wort |
| Geschrieben von Inca Vogt | |
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Vier Millionen sind Analphabeten! Die meisten davon seien Frauen, heißt es laut einer dpa Meldung. Wenn man ein wenig in der Vergangenheit stöbert, wundert das nicht. Die Geschichte alles Gedruckten ist ziemlich jung. Und Lesen war lange eine verpönte Sache. Vor allem für Frauen, die sich gefälligst anders nützlich machen sollten. Auch wer arm war, galt als Taugenichts, wenn er sich mit Gedrucktem beschäftigte. Es war ohne praktischen Nutzen. Im 18. Jahrhundert gab es sogar eine Lesesucht-Debatte und der leichten Literatur wurde eine "verderbliche" Wirkung nachgesagt.Bis zum Mittelalter besaßen nur die oberen Gesellschaftsschichten das Privileg der Lese- und Schreibfähigkeit. Einige wenige betätigten sich als Vorleser, die Analphabeten Texte vortrugen. Nachrichten wurden von Boten mündlich übermittelt. Erst als der Handel bedeutender wurde, bekam auch die Schreibkunst eine größere Bedeutung. Der Schriftverkehr war den damals priviligierten Geschaftsschichten zu mühselig. Und so durften einfache Bürger das Schreiben und Lesen lernen, um es ihnen abzunehmen. Doch wer glaubt, dass im 16. und 17. Jahrhundert mit der Erfindung des Buchdrucks die Wissensvermittlung leichter wurde, irrt. Bis weit in das 18. Jahrhundert hinein, wurde unsereins fast ausschließlich mit Bibel, Religiösem und der einen oder anderen Zeitung abgespeist.Im Jahr 1830 konnten etwa 40% der Deutschen lesen. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts verbreitete sich auch in den Unterschichten das Lesen. Die gedruckten Schriften waren Sach- und Fachbücher, die praktische Lebenshilfe vermitteln sollten. Die religiösen Druckwerke hielten sich vermutlich die Waage mit den aufklärenden Schriften. Die ins Haus flatternden Schriften waren Mitteilungen der Obrigkeit, Verordnungen und Gesetze, die von den Landesfürsten verbreitet wurden. Es gab also keine besonders motivierende Gründe lesen zu lernen. Dennoch konnten bis 1870 konnten 75% unserer Bürger lesen, um 1900 etwa 90%. Eine Fähigkeit, die vor allem die Frauen für sich entdeckten. Und das war vielleicht auch der Grund dafür, dass es schon damals Unterschiede im Lesestoffs zwischen den Geschlechtern gab. Frauen bevorzugten Belletristik und Romanlektüre, Männer hielten sich eher ans Praktische: Zeitungen, politische Sachbücher und allerhöchstens Abenteuerromane, kamen ihnen unter die Leselupe.
Schändliche Lesesucht In diese Zeit fiel auch die "Lesesucht"-Debatte. Lesestoff sollte erst gestattet werden, wenn die Leser Kenntnisse der Welt und der Menschen erworben hatten. Ein neues Genre musste erfunden werden, dass die Lücke schließt: die Jugendliteratur. Die unterhaltende Literatur war noch lange verpönt. Das Lesepublikum spaltete sich in zwei Lager. Für die oberen Schichten diente der Lesestoff der Repräsentation. Bücher zu haben, war wichtig. Noch wichtiger war es die richtigen Bücher, nämlich Klassiker, zu besitzen. Ob sie gelesen wurden war vermutlich eher zweitrangig. Menschen wie du und ich hingegen waren die typischen Leser von Neuerscheinungen und Unterhaltendem. Erst um 1900 verschwammen die Grenzen, dank der Massenproduktion. Beide Genres waren jetzt für jeden erschwinglich. Wir überspringen an dieser Schwelle ein ganzes Jahrhundert, dass trotz neuer Medien dem Lesen und der Sucht nach Büchern nicht wirklich geschadet hat. Auch wenn es traurig ist, dass viele Kids den PC und Fernseher frei verfügbaren Büchern gegenüber bevorzugen. Ein Thema für sich - dass unsere Geschichte sprengt. Ich persönlich bin heilfroh im Hier und Heute lesen zu dürfen und finde: Lieber barfuß als ohne BuchIsländisches Sprichwort Wir wünschen euch viel Spaß mit unseren Lesetipps für die Leselust! Mehr davon gibt es wie immer auch in unserem „Lifestylebiz Buchshop"
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