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Die Kehrseite der Faltenfreiheit
Geschrieben von Inca Vogt   

Keine Industrie wird kritischer hinsichtlich der Tests beäugt, wie die Kosmetikindustrie. Und das gleich von zwei Seiten. Einerseits geht der Trend verständlicherweise zu angeblich ungetesteten Mittelchen. Auf der anderen Seite geht hier nirgends irgendein Stoff über die Theken, der nicht Grundstoffgetestet ist. Das Gesetz schreibt es vor.

Zweifelhafte Faltenfreiheit

So manches, hochgepriesene Schönheitsmittel geht seltsame Wege, um zugelassen zu werden. Zum Beispiel über England. Es scheint, als würden auf der Insel viele Mittel zugelassen, die erst im Gebrauch zeigen sollen, ob sie auch strengeren Bestimmungen genügen. Im Gebrauch an uns Verbrauchern. Für mich offen gestanden, weitaus  verständlicher, als so manche völlig unnützen Tierversuche, die auch im restlichen Teil der Welt inzwischen mit alternativen Testmethoden ebenso aussagekräftig sein könnten. 

Umgekehrt wird dann wieder eine Skandalmeldung daraus, die lautet: "Die geringen gesetzlichen Bestimmungen für kosmetische Eingriffe können in Großbritannien dazu führen, dass die Menschen zu Versuchskaninchen werden." 

Soweit so gut und schwarz-weiß gesehen. Unterfüttert mit einer Meldung des Magazin Which?. http://www.which.co.uk

Es heißt, dass Unternehmen kosmetische Füllmittel in Großbritannien testen, bevor sie sich für eine Lizenz auf dem amerikanischen Markt bewerben. Nur sieben Füllstoffe bzw. Substanzen, die zur Faltenverringerung injiziert werden, sind in Amerika zugelassen. In Großbritannien sind 65 dieser Substanzen, die Hyaluronsäure enthalten, zugelassen. Regierungsbehörden überprüfen derzeit laut BBC den Sachverhalt.

Was an diesen Meldungen dran ist? Wir bleiben dran. Interessant sind in diesem Zusammenhang allerdings auch die Hintergründe: Jährlich unterziehen sich inzwischen rund 400.000 Menschen nicht-chirurgischen kosmetischen Behandlungen - Tendenz steigend. Die meisten kosmetischen Füllmittel in Großbritannien sind durch die EU-Gesetzgebung abgedeckt, Unternehmen können sich selbst zertifizieren oder unabhängige Labors einsetzen.

Ein Beispiel für die schwache Gesetzgebung ist für Which? Isolagen. Bei diesem Behandlungsansatz werden die Zellen des Patienten für die Glättung der Haut eingesetzt. 1999 wurde er in Amerika zurückgezogen. Die Einführung in Großbritannien erfolgte 2002. Das Magazin argumentiert, dass das Unternehmen die in Großbritannien gesammelte Informationen dazu genutzt hat, das laufende Antragsverfahren in Amerika zu unterstützen. Zusätzlich sei behauptet worden, die britischen Behörden hätten das Produkt freigegeben, obwohl es keine entsprechende Regelung gibt. Isolagen http://www.isolagen.com hat jetzt seine europäische Niederlassung geschlossen und sich vom britischen Markt zurückgezogen.

Scheinheiliges Aufregen? 

Wie viele Seiten die gesamte Problematik tatsächlich hat, wird klar, wenn man die Wirksamkeit von Tests herkömmlicher Art befragt. In Deutschland geht man z. B. seit den 80ern einen anderen Weg. Kosmetik wird seither nicht mehr an lebenden Tieren getestet. Garantiert nicht nur aus Tierschutzgründen, sondern auch aus Gründen der Beweiskraft solcher Tests. Nicht grundlos sucht und findet man immer bessere projektive Testarten, für die kein Lebewesen Fell, Haut oder andere empfindsame Körperregionen hergeben muss.

So besehen, sind hier wirklich weitreichendere Gedanken nötig. Meines Erachtens kann es nicht nur darum gehen, ob Menschen Versuchstiere sind, sondern man muss generell nachfragen, ob nicht endlich auch alle projektiven Tests anerkannt werden. Da liegt nämlich noch weitgehend das "Häschen im heißen Pfeffer."

Wir Menschen und Menschinen machen es uns oft ziemlich leicht. Da regen wir uns einerseits über unnütze Tierversuche auf, wenn wir auf der anderen Seite nach diesen "klassischen" Tests schreien, wenn es uns ans eigene Testfell geht? Klingt wie "Duschen, ohne sich nass zu machen." 

Höchste Zeit für all die bereits bekannten alternativen Testmethoden, für die kein Lebewesen als Versuchskaninchen herhalten muss. Weder die menschlichen, noch die befellten.


 
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