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Geschenke aus dem Knast
Geschrieben von Inca Vogt   

  Sie sind schräg. Sie sind selbstgemacht. Sie haben den etwas veruchten Hauch von Knasties an sich. Etwas, was vielleicht für viele ein besonders kribbeliges Motiv ist, den Kaufrausch für Sinniges bis Unsinniges und Schräges auszuleben. Und die Geschenke wurden von echten schweren Brüdern und Schwestern hinter Gittern gebastelt.

thumb30625 Die schrägen Knastie Geschenke wurden von echten schweren Brüdern und Schwestern hinter Gittern gebastelt. Und wer sie kauft, darf sich zudem noch auf die Schulter klopfen mit dem beruhigenden Gefühl: "Ich habe was Gutes getan."

Foto: Somethink GmbH & Co. KG

Alibi für schräge Geschenke

In so genannten "Kreativen Zellen" werden in Hamburger Gefängnissen seit einem Jahr Produkte hergestellt, die die Gefangenen selbst mitentwickeln: T-Shirts mit Aufdrucken wie "Noch unschuldig" oder "Auf Bewährung", das Pflegeset "Bleib sauber!" mit echter Knastseife, in Gefängnis-Matratzenstoff gebundene Tagebücher u. v. m.

Nachdem das Projekt kürzlich von der Initiative "Deutschland - Land der Ideen" preisgekrönt wurde, sind weitere Produkte hinzugekommen. Ihr Markenname Santa Fu ist der Spitzname von Hamburgs Hauptgefängnis.

Da ist erstmal das HUHN IN HANDSCHELLEN mit Rezepten, nach denen sich Gefangene gern was kochen, wenn ihr Gaumen Urlaub von der Großküche machen will. Christa Mälzer war selbst hinter den Mauern, hat mit den Gefangenen gegessen, hat bei der Auswahl der Rezepte mitgeholfen und sie mit kleinen Tipps versehen. "Im Knast hat man ja nicht viel Freude", sagt sie. "Darum geben sich die Gefangenen beim Kochen besonders viel Mühe. Oft sind Menschen aus der ganzen Welt um den kleinen Gemeinschaftsherd versammelt, tauschen Rezepte aus, entwickeln neue, improvisieren mit den Zutaten, die sie gerade haben, und veranstalten mit einfachsten Mitteln regelrechte 'Partys für den Mund'. Ihre Rezepte schmecken auch, wenn man in Freiheit ist: die Friedenspfanne, das Affenbrot, die Kükenbrille, der Dicke Jesus..."

Ebenfalls neu bei Santa Fu: das Memospiel mit Original-Tattoos von Gefangenen und das rasante Ausbrecherspiel "ALAARM!", ein umgekehrtes Mensch-ärgere-dich-nicht, bei dem man nicht rein will in den Bau, sondern raus. Die Gefangenen haben die Regeln selbst entwickelt und auf den Zellen getestet, und die Vollzugsbeamten haben ihnen dabei kräftig geholfen. Schließlich macht es ihnen genauso viel Spaß, heimlich durch Entlüftungsrohre zu rutschen oder sich unter Gullydeckeln zu verstecken.

Auf http://www.santa-fu.de kann man all diese Dinge bestaunen und bestellen. Ein Teil des Erlöses geht an die Opferhilfe Weißer Ring.


 
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