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Arme Dicke. Reiche Dünne
Geschrieben von Inca Vogt   

Wann immer man Berichte über Bedürftige, Arme, sozial schwache Menschen sieht, ist eins auffällig. Ungewöhnlich häufig sind genau die Menschen fett, die wenig zum Leben haben. Sie zeigen, dass sie bis Monatsende vielleicht noch 20 Cent in der Tasche haben und kauen auf trockenem Brot herum. Was also macht sie so dick?

Bildungs- und Einkommensschwache neigen eher zu Übergewicht (Foto: Pixeli

Wenig Geld. Zuviel Pfunde 

Eigentlich müsste es doch so sein, dass wenig Geld auch dazu führt, dass man nicht wahllos Nahrung in sich hinein stopft. Die gibt es ja auch nicht umsonst.

Überlegungen, mit denen ich voll in alle Fettnäpfchen trete und zudem völlig falsch liege. In Wahrheit sind die Kalorientrösterlie oft das Einzige, was noch bleibt. Und mit jedem Pfund mehr, sinkt dann auch noch das Selbstbewusstsein. Schicke Kleider kann man sich ohnehin nicht leisten. Und sogar der falsche Wohnort in der falschen Gegend trägt zum ungesunden Fettsein- und -bleiben bei.

Die Einkommens- und Wohnsituation hat also einen sehr großen Einfluss darauf, ob ein Mensch übergewichtig ist oder nicht. Diesen Schluss ziehen auch kanadische Wissenschaftler der Universität von Alberta http://www.ualberta.ca nach der Untersuchung hunderter Studien aus Nordamerika. "Es gibt zahlreiche Zusammenhänge zwischen sozialer Ungleichheit und Gesundheit und das bezieht sich natürlich auch auf Ernährung und Übergewicht," bestätigt Christoph Hörhan vom Fonds Gesundes Österreich.


Wohngegend entscheidend für Übergewicht? 

"Als wir die Daten auswerteten erkannten wir zum Beispiel, dass in Wohngegenden mit niedrigeren Einkommen eher kalorienreiches Essen wie Fast Food angeboten wird und Supermärkte oder andere Geschäfte, die gesundes Essen verkaufen, weniger oft vertreten sind", so Forschungsleiterin Kim Raine. Das Einkommen wirke sich außerdem darauf aus, welche Nahrung Menschen sich leisten könnten. Untersuchungen zeigten jedoch, dass gesundes Essen nicht wirklich teurer sei, erklärt Höhrhan. "Das Problem ist, dass bildungs- und einkommensschwachen Menschen oft das Bewusstsein für gesunde Ernährung fehlt."

Doch noch weitere Faktoren für Fettleibigkeit hängen mit dem Wohnort der Menschen zusammen. So zeigte sich, dass Nachbarschaften die sich für Spaziergänge eignen oder spezielle Freizeitanlagen bieten, ihren Bewohnern einen gesunden Lebenstil erleichtern. In einkommensschwachen Gegenden fänden sich diese Möglichkeiten seltener. "Es geht hier auch um psychosoziale Faktoren", gibt Hörhan zu Bedenken. "Arbeitslose haben oft Probleme mit Stigmatisierung. Manche trauen sich während der üblichen Arbeitszeiten nicht einmal aus dem Haus, aus Angst davor, von den Menschen in ihrer Umgebung als faul oder arbeitsscheu abgestempelt zu werden. Manager hingegen nützen problemlos jedes Zeitfenster für ihren Lieblingssport oder einen Besuch im Fitnessstudio."

Hochwertige Nahrung auch bei geringem Budget

Initiativen seien nötig, die Einkommen und Bildung von Menschen und Familien in urbaner Umgebung fördern, um dem Problem beizukommen, so die Forscher. Außerdem sei es wichtig, auch schlechter verdienenden Menschen Zugang zu gesunder Nahrung zu ermöglichen. "Es ist klar, dass es nicht reichen wird Information zu streuen, um den Menschen weiterzuhelfen", meint auch Hörhan. Es gäbe kein Patentrezept, das in jedem Fall wirksam sei. "Wir versuchen die Menschen mit praxisorientierten Projekten in ihren Lebenswelten anzusprechen und gemeinsam mit ihnen Strategien zu erarbeiten, wie sie in ihrem Alltag mehr für ihre Gesundheit tun können."


 
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