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Erotik ist ein Versprechen, das nicht unbedingt erfüllt werden muss.
Und deshalb gab es erotische Filme, seit es Kinos gibt. Inszeniert für Männer,
dargestellt von Vamps wie Theda Bara, die mit verruchtem Blick einst mehr wagten, als so manche Porno
Queen unserer Tage. Aber hatten Frauen nicht auch schon damals Spaß an Erotik?
Sie hatten!
Aber es war noch ganz und gar unschicklich darüber öffentlich zu reden.
Öffentlich waren nur die Darstellerinnen aus den Traumfabriken, die
alles sein durften, wovon Oma vielleicht heimlich träumte.
Wenn unsere Großmütter geahnt hätten
Kino beginnt im Kopf, und da war in den Anfängen des Kinos bei unseren
weiblichen Ahnen vor allem ein Sexsymbol Verkörperung heimlicher
Träume: Latin Lover Rudolph Valentino galt als erstes männliches
Sexsymbol. Er wurde angeschmachtet und kreischend verehrt wie
heutzutage Glutäuglein Antonio Banderas.
Schade eigentlich, dass die Auswahl sich auch in späteren Zeiten recht
karg mit Reizen gab. Vermutlich wäre Großmutter bei Valentinos Anblick
nicht verzückt in Ohnmacht gefallen, wenn sie die freie Auswahl gehabt
hätte. Schade auch, dass unsere kleine Zeitreise nur rückwärts
funktioniert. Umgekehrt, hätte Großmutter weit mehr zu sehen bekommen,
als sie sich erträumte. Erotik, bei der auch alle Evas unserer Tage
voll auf ihre Kosten kommen. Aber schön der Reihe nach.
Die goldenen 20er
Ein Tanz auf dem Vulkan. Magische und mystische Distanz kennzeichnen
die Erotik der ersten bewegten Bilder. Verpönt war jede Nähe zu
lebenden Personen. Es fällt schwer so etwas wie weibliche Erotik in den
Filmen zu entdecken. Zu kunstvoll zu gekünstelt. Wie Puppen agieren die
ersten Sexsymbole. Angeführt von Theda Bara, die mit dem Gesicht eines
Vamps und dem Herzen einer Feministin Kinogeschichte machte. Zeitgleich
erschütterte der frühe Tod des ersten wirklichen Kinosexsymbols
Valentino 1926 die Damenwelt.
Es wurde sogar von Selbstmorden verzweifelter Fans berichtet. Aber die
Frauen hatten seinerzeit wirklich keine Wahl – und erst recht keine
Alternative. Nicht einmal politisch. Der 1911 aufgerufene Frauenprotest
ums Wahlrecht trug erst Jahrzehnte später Früchte. So zeigte sich der
Protest der Frauen Jahrzehnte lang nur in gespielter Freizügigkeit. Man
tanzte den Charleston, zeigte unbedeckte Knie und Bubikopf. Ein
Aufbegehren und eine Sehnsucht nach freizügiger Sinnlichkeit. Erotik,
die aus heutiger Sicht in den Kinderschuhen stecken blieb – im Leben
wie im Film.
Die 30er
Sexsymbole im Urwaldbann. Zurück zum Start. Jegliche Lust an
Sinnlichkeit wurde „reformiert“. Selbst Jean Harlow, die „gefallene
Frau“, findet im Film den Weg zurück in bürgerliche Miefigkeit.
Sexualität und Körperlichkeit bekam den Urwaldbann. Dargestellt von
Johnny Weismüller als brüllender Tarzan mit züchtigem Lendenschurz.
Kein Wunder, dass die Frauen sich reihenweise darum verzehrten, einmal
Jane spielen zu dürfen.
Greta Garbo und Marlene Dietrich waren göttliche Kunstfiguren. Unberührbar, unnahbar. Von Sinnlichkeit,
die auch die Sinne der Frauen anspricht, kann noch lange nicht die Rede
sein.
Die 40er
Eiskalte Engel, kochender Sand. Während der 2. Weltkrieg jeglicher
Erotik einen Dämpfer verpasste, sorgte Deutschlands blondester
Exportschlager in Hollywood für Furore. Marlene Dietrich ging, wurde
gesehen und siegte. Wesentlich körperbetonter gab sich Busenwunder Jane
Russel. Und auch die Damenwelt bekam endlich mal wieder anregendes
vorgesetzt. Burt Lancaster räkelte sich am Strand und war von da an Verdammt in alle Ewigkeit
dem Idealbild des beschützenden Mannes zu entsprechen. Ein lustvoller
Lichtblick. Auch für bis dato vernachlässigte Zuschauerinnen.
Die 50er
La Dolce Vita und andere Skandale. Nierentische, Tütenlampen, Elvis erotische
Hüftwackler und “La Dolce Vita” von Fellini. Erotische Kultstars wie
Marilyn Monroe repräsentierten den Sex so rein und unschuldig, dass wir
heute nur lächeln können. Zeitgleich verkörperte James Dean die Revolte
einer Jugend, deren erotische Bedürfnisse nur erfüllt werden, wenn man
sich gegen jedes gesell-schaftliche Vorbild auflehnte. Nun ja, „Manche
mögens heiß“.
Kaum zu glauben, dass auf den Kinostühlen nicht auch weibliche
Sinnlichkeit darauf lauerte, geweckt zu werden. Hoffnungslos! Die
Kinofilme jener Zeit verbannen die Lust in Ecken, die nicht jederfrau
zugänglich waren. Dargestellt z. B. in dem angeblichen Skandalstreifen
„Das Mädchen Rosemarie“, aus dem eine Nacktsequenz von Nadja Tiller der
Zensur zum Opfer fiel.
Die 60er und 70er
Zur Sache Schätzchen? Schulmädchenreport und andere bumsfidele
Filmchen, in denen Frauen leicht bekleidet durch Bild huschen, zeigen
eine Mischung aus Klamauk und unschuldigem Kuschelsex.
Wesentlich prickelnder lockte bereits in den 60igern Hollywood mit
hüllenloser Raquel Welch und Schönling Marlon Brando. Im Schlepptau
Jean Paul Belmondo, dem französischen Beitrag für Frauen, die was
hübsches zum Wegträumen vom heimischen Herd wollten.
In den 70igern lässt Nastassja Kinski im „Reifezeugnis“ unbekümmert
Hemmungen und Hüllen fallen. Eine Welle von Emmanuelle Filmen erfüllt
mit nymphomanischer Emsigkeit vorzugsweise Männerfantasien. Im übrigen
bleibt die Frage nach Erotik, die auch Frauen anmacht, unbeantwortet.
Was sich auf den Leinwänden tummelt ist zumindest hierzulande mehr zum
Kichern als zum Anregen. Auch Uschi Glas ändert daran wenig. Zur Sache
geht’s noch lange nicht.
Die "80er
Thriller und verhängnisvolle Affären. Lust und Last, mit einem Hauch
von Verhängnis kennzeichnen die erotischen Thriller der 80er. „Eine
verhängnisvolle Affäre“ hier, prallerotischgefüllte 12; Wochen da.
Endlich kommt ein Knistern auf, bei dem der Kampf der Geschlechter sich
in Obsession und Hörigkeit outet.
Dagegen wirken Szenen in der „Blauen Lagune“ der damals 14jährigen Brooke Shields
unschuldig und verspielt. Bliebe noch ein Blick auf Traumfrau Bo Derek
oder Emmanuelle, die beide allen Männerfantasien gerecht werden. Aber
nicht unbedingt denen der Frauen. Dann schon lieber 9 erotische
Wochen, die teilhaben lassen an allem, was Frauen Appetit macht.
Die 90er
Reizüberflutungen und schillernde Paradiesvögel. Während Christo
den Berliner Reichstag einpackt, fallen im Film letzte Hüllen und
Hemmungen. Basic Instinct
setzt den Boom der Erotik Thriller fort. Und ehemalige Kinderstars wie
Drew Barrymore zeigen in „Poison Ivy“ die neue Fleischbeschau in Folge.
Bei Frauen schlugen zweifellos die intelligenteren Filme besser ein.
Und was der Rummel um „Lolita“ sollte, bleibt unklar, da alles in
lyrischer Andeutung stecken blieb.
Weitaus sinnlicher gibt sich Eyes Wide Shut,
der 1999 Tom Cruise als vermeintlich gehörnten Ehemann zeigt. Die
sexuellen Fantasien seiner Nochehefrau Nicole Kidman geben Einblick in
das Hier und Heute des erotischen Streifens. In Filme, die nicht nur
für Männer gemacht sind. Erstaunlich ist, dass beide Streifen
Literaturverfilmungen sind. Sollten die wahren Frauenerotikhelden doch
Poeten sein?
Im Hier und Heute ist der Wandel sichtbar. Ob James Bond oder
Literaturverfilmungen wie „Henry & June“. Erotikfilme sind
genreübergreifend. Mal Thriller, mal Drama. Die Grenzen zwischen Porno
und Erotik verschwimmen.
Alleiniges Copyright by Inca Vogt
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