Menu Content/Inhalt
RECEPTION arrow LeseLounge arrow Kino arrow Erotische Zeitreise ins Kino

Check In






Passwort verloren?
Noch kein Benutzerkonto?
Registrieren
Gast: kostenlos
VIP-Gast:4,87 + Mwst
Erotische Zeitreise ins Kino
Geschrieben von Inca Vogt   

Erotik ist ein Versprechen, das nicht unbedingt erfüllt werden muss. Und deshalb gab es erotische Filme, seit es Kinos gibt. Inszeniert für Männer, dargestellt von Vamps wie Theda Bara, die mit verruchtem Blick einst mehr wagten, als so manche Porno Queen unserer Tage. Aber hatten Frauen nicht auch schon damals Spaß an Erotik? 

Sie hatten! Aber es war noch ganz und gar unschicklich darüber öffentlich zu reden. Öffentlich waren nur die Darstellerinnen aus den Traumfabriken, die alles sein durften, wovon Oma vielleicht heimlich träumte.

Wenn unsere Großmütter geahnt hätten

Kino beginnt im Kopf, und da war in den Anfängen des Kinos bei unseren weiblichen Ahnen vor allem ein Sexsymbol Verkörperung heimlicher Träume: Latin Lover Rudolph Valentino galt als erstes männliches Sexsymbol. Er wurde angeschmachtet und kreischend verehrt wie heutzutage Glutäuglein Antonio Banderas.

Schade eigentlich, dass die Auswahl sich auch in späteren Zeiten recht karg mit Reizen gab. Vermutlich wäre Großmutter bei Valentinos Anblick nicht verzückt in Ohnmacht gefallen, wenn sie die freie Auswahl gehabt hätte. Schade auch, dass unsere kleine Zeitreise nur rückwärts funktioniert. Umgekehrt, hätte Großmutter weit mehr zu sehen bekommen, als sie sich erträumte. Erotik, bei der auch alle Evas unserer Tage voll auf ihre Kosten kommen. Aber schön der Reihe nach.

Die goldenen 20er

Ein Tanz auf dem Vulkan. Magische und mystische Distanz kennzeichnen die Erotik der ersten bewegten Bilder. Verpönt war jede Nähe zu lebenden Personen. Es fällt schwer so etwas wie weibliche Erotik in den Filmen zu entdecken. Zu kunstvoll zu gekünstelt. Wie Puppen agieren die ersten Sexsymbole. Angeführt von Theda Bara, die mit dem Gesicht eines Vamps und dem Herzen einer Feministin Kinogeschichte machte. Zeitgleich erschütterte der frühe Tod des ersten wirklichen Kinosexsymbols Valentino 1926 die Damenwelt.

Es wurde sogar von Selbstmorden verzweifelter Fans berichtet. Aber die Frauen hatten seinerzeit wirklich keine Wahl – und erst recht keine Alternative. Nicht einmal politisch. Der 1911 aufgerufene Frauenprotest ums Wahlrecht trug erst Jahrzehnte später Früchte. So zeigte sich der Protest der Frauen Jahrzehnte lang nur in gespielter Freizügigkeit. Man tanzte den Charleston, zeigte unbedeckte Knie und Bubikopf. Ein Aufbegehren und eine Sehnsucht nach freizügiger Sinnlichkeit. Erotik, die aus heutiger Sicht in den Kinderschuhen stecken blieb – im Leben wie im Film.

Die 30er

Sexsymbole im Urwaldbann. Zurück zum Start. Jegliche Lust an Sinnlichkeit wurde „reformiert“. Selbst Jean Harlow, die „gefallene Frau“, findet im Film den Weg zurück in bürgerliche Miefigkeit. Sexualität und Körperlichkeit bekam den Urwaldbann. Dargestellt von Johnny Weismüller als brüllender Tarzan mit züchtigem Lendenschurz. Kein Wunder, dass die Frauen sich reihenweise darum verzehrten, einmal Jane spielen zu dürfen.

Greta Garbo und Marlene Dietrich waren göttliche Kunstfiguren. Unberührbar, unnahbar. Von Sinnlichkeit, die auch die Sinne der Frauen anspricht, kann noch lange nicht die Rede sein.

Die 40er

Eiskalte Engel, kochender Sand. Während der 2. Weltkrieg jeglicher Erotik einen Dämpfer verpasste, sorgte Deutschlands blondester Exportschlager in Hollywood für Furore. Marlene Dietrich ging, wurde gesehen und siegte. Wesentlich körperbetonter gab sich Busenwunder Jane Russel. Und auch die Damenwelt bekam endlich mal wieder anregendes vorgesetzt. Burt Lancaster räkelte sich am Strand und war von da an Verdammt in alle Ewigkeit dem Idealbild des beschützenden Mannes zu entsprechen. Ein lustvoller Lichtblick. Auch für bis dato vernachlässigte Zuschauerinnen.

Die 50er

La Dolce Vita und andere Skandale. Nierentische, Tütenlampen, Elvis erotische Hüftwackler und “La Dolce Vita” von Fellini. Erotische Kultstars wie Marilyn Monroe repräsentierten den Sex so rein und unschuldig, dass wir heute nur lächeln können. Zeitgleich verkörperte James Dean die Revolte einer Jugend, deren erotische Bedürfnisse nur erfüllt werden, wenn man sich gegen jedes gesell-schaftliche Vorbild auflehnte. Nun ja, „Manche mögens heiß“. Kaum zu glauben, dass auf den Kinostühlen nicht auch weibliche Sinnlichkeit darauf lauerte, geweckt zu werden. Hoffnungslos! Die Kinofilme jener Zeit verbannen die Lust in Ecken, die nicht jederfrau zugänglich waren. Dargestellt z. B. in dem angeblichen Skandalstreifen „Das Mädchen Rosemarie“, aus dem eine Nacktsequenz von Nadja Tiller der Zensur zum Opfer fiel.

Die 60er und 70er

Zur Sache Schätzchen? Schulmädchenreport und andere bumsfidele Filmchen, in denen Frauen leicht bekleidet durch Bild huschen, zeigen eine Mischung aus Klamauk und unschuldigem Kuschelsex.

Wesentlich prickelnder lockte bereits in den 60igern Hollywood mit hüllenloser Raquel Welch und Schönling Marlon Brando. Im Schlepptau Jean Paul Belmondo, dem französischen Beitrag für Frauen, die was hübsches zum Wegträumen vom heimischen Herd wollten.

In den 70igern lässt Nastassja Kinski im „Reifezeugnis“ unbekümmert Hemmungen und Hüllen fallen. Eine Welle von Emmanuelle Filmen erfüllt mit nymphomanischer Emsigkeit vorzugsweise Männerfantasien. Im übrigen bleibt die Frage nach Erotik, die auch Frauen anmacht, unbeantwortet. Was sich auf den Leinwänden tummelt ist zumindest hierzulande mehr zum Kichern als zum Anregen. Auch Uschi Glas ändert daran wenig. Zur Sache geht’s noch lange nicht.

Die "80er

Thriller und verhängnisvolle Affären. Lust und Last, mit einem Hauch von Verhängnis kennzeichnen die erotischen Thriller der 80er. „Eine verhängnisvolle Affäre“ hier, prallerotischgefüllte 12; Wochen da. Endlich kommt ein Knistern auf, bei dem der Kampf der Geschlechter sich in Obsession und Hörigkeit outet.

Dagegen wirken Szenen in der „Blauen Lagune“ der damals 14jährigen Brooke Shields unschuldig und verspielt. Bliebe noch ein Blick auf Traumfrau Bo Derek oder Emmanuelle, die beide allen Männerfantasien gerecht werden. Aber nicht unbedingt denen der Frauen. Dann schon lieber 9 erotische Wochen, die teilhaben lassen an allem, was Frauen Appetit macht.

Die 90er

Reizüberflutungen und schillernde Paradiesvögel. Während Christo den Berliner Reichstag einpackt, fallen im Film letzte Hüllen und Hemmungen. Basic Instinct setzt den Boom der Erotik Thriller fort. Und ehemalige Kinderstars wie Drew Barrymore zeigen in „Poison Ivy“ die neue Fleischbeschau in Folge. Bei Frauen schlugen zweifellos die intelligenteren Filme besser ein. Und was der Rummel um „Lolita“ sollte, bleibt unklar, da alles in lyrischer Andeutung stecken blieb.

Weitaus sinnlicher gibt sich Eyes Wide Shut, der 1999 Tom Cruise als vermeintlich gehörnten Ehemann zeigt. Die sexuellen Fantasien seiner Nochehefrau Nicole Kidman geben Einblick in das Hier und Heute des erotischen Streifens. In Filme, die nicht nur für Männer gemacht sind. Erstaunlich ist, dass beide Streifen Literaturverfilmungen sind. Sollten die wahren Frauenerotikhelden doch Poeten sein?

Im Hier und Heute ist der Wandel sichtbar. Ob James Bond oder Literaturverfilmungen wie „Henry & June“. Erotikfilme sind genreübergreifend. Mal Thriller, mal Drama. Die Grenzen zwischen Porno und Erotik verschwimmen.

Alleiniges Copyright by Inca Vogt

Zur Forendiskussion zum Thema: „Check In & be part of it"

 

 
< Zurück   Weiter >