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Tod. Oder Plätzchen naschen?
Geschrieben von Inca Vogt   

Naschwerk sei ein Teufelsding, predigen uns die Diätgurus. Süßigkeiten sind nur Sekunden auf der Zunge, aber Monatelang kleben sie an Hüften, Bauch und Po. Doch Plätzchen können auch die bitteren Pillen des Lebens verdrängen: Liebeskummer, Sorgen, Gedanken an Tod und Teufel. Für ein paar selige Minuten geht es uns einfach gut.

Das Leben versüßen. Sorgen vergessen
Gedanken an den Tod verführen zu Süssigkeiten (Foto: pixelio.de/Claudia35)

Süssigkeiten verdrängen die Sorgen. Und das verändert in schlechten und in Streß-Zeiten auch das Shoppingverhalten.

Was wir auch in unserer Redaktion immer wieder behaupten. "Sorgen mache dick", ist jetzt erneut von Wissenschaftlern belegt. 

Ein Team von Sozialpsychologen hat festgestellt, dass Gedanken an den Tod das Kaufverhalten von Menschen verändern kann. Anstoss zur Untersuchung war der Bericht, dass nach dem 11. September 2001 der Konsum von Luxus-Artikeln aber auch von Süßigkeiten und Nahrungsmitteldosen deutlich anstieg. Um dieser Vermutung näher auf den Grund zu gehen, haben Forscher rund 750 Studenten danach gefragt, Aufsätze über zwei Themen zu verfassen: Entweder über den Tod oder über einen Zahnarztbesuch, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist in seiner Online-Ausgabe.


Naomi Mandel von der Arizona State University in Tempe http://www.asu.edu und Dirk Smeesters von der Erasmus Universität in Rotterdam http://www.erim.eur.nl hatten mit Fragebogen das Selbstwertgefühl der Probanden ermittelt.

Uns wundert es nicht, dass Studenten, die mit niedrigerem Selbstwertgefühl über den Tod schrieben, häufiger zu Zuckerkeksen griffen und mehr Konsumgüter über eine Online-Plattform bestellten, als jene, die nur über den Zahnarztbesuch schrieben.

Bei Studenten mit hohem Selbstwertgefühl, hatte der Gedanke an den Tod hingegen keine Auswirkungen auf das Verhalten. Die Forscher schließen daraus, dass Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl deshalb konsumieren, um der Frage nach dem Selbstwertgefühl zu entfliehen. "Shopping und Essen helfen scheinbar, sich selbst und seine Probleme zu vergessen", meint Smeesters. Smeesters hat in einer zweiten Studie festgestellt, dass Menschen mit wenig Selbstwertgefühl mehr einkaufen und mehr essen, wenn sie Nachrichtenclips mit Toten zu sehen bekommen. "Es bleibt nur zu hoffen, dass Nahrungsmittelhersteller nicht sofort nach den Nachrichten Werbeclips über Essen über den Äther laufen lassen." "Bei vielen Nahrungsmitteln, vor allem bei Süßigkeiten, wird eine Zusatzbotschaft mitgeliefert", meint der Psychologe Andreas Winter http://www.andreaswinter.de, Autor der Buchserie "Psychocoach".

  "Diese Zusatzbotschaft wird sofort bei der Konsumation abgerufen, denn wir haben als Menschen gelernt, dass Schokolade oder Kekse eben als Belohnung für etwas stehen." Dadurch werde der Gedanke an den Tod immer weiter verdrängt. Mit dem Shopping verhalte es sich ähnlich. "Shopping ist ein Erlösungsprozess und ein Machtbeweis", so der Psychologe. Es gehe darum mit der potenziellen Energie des Geldes, Dinge zu schaffen.

Dass ich mir jetzt einen gut gesüssten Milchkaffee gönne, hat diesbezüglich keine Bedeutung. Ich habe gelernt, dass so ein Powergetränk mich auch über müde Tage hinweg rettet. Oder ist da unterschwellig doch mehr drin? Sagt es mir und uns in allen Foren, in denen wir den Phänomenen des Lebens und Shoppings auf den Grund gehen.  

 

 
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