| Mein Haus, mein Boot, mein Hund |
| Geschrieben von Inca Vogt | |||||
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Tiere als Prestige Objekt? Liest und schaut man sich um, ist das kein Ausnahmefall. Da werden Struppie und Miez hergezeigt und nach Rassemerkmalen prämiert. Sie werden von stolzen Besitzern aufpoliert wie das tolle Auto, das Boot, die schmucke Ehefrau. Wer dabei mit seinem Bedürfnissen auf der Strecke bleibt, ist klar. Bester Freund des Menschen aus Hundesicht
Hunde tun dem Menschen gut. Umgekehrt ist das nicht immer der Fall. In einer umfangreichen Studie haben Psychologen der Universität Bonn http://www.uni-bonn.de die wechselseitige Beziehung von Zwei- und Vierbeinern untersucht. Dabei konnten sie drei Haltertypen ausmachen, die sich in Einstellung, Verhaltensmuster und Wohlfühlfaktor des Hundes deutlich unterscheiden. Hund als Prestigeobjekt? Wer den Hund als Prestigeobjekt sieht und ihn zu sehr vermenschlicht, interessiert sich meist wenig für dessen Bedürfnisse und Wohlbefinden. Beim Typ der "naturverbundenen und sozialen" Halter hätten es die Tiere aufgrund des hohen Fachwissens am Besten. "Wir wollen mit unserer Studie den Hundehaltern noch stärker bewusst machen, welche Verantwortung für das Wohlbefinden und die Verhaltensausprägung ihrer Hunde sie tragen", betont Projektleiterin Silke Wechsung. Interaktion zwischen Mensch und Tier Knapp 2.800 Hundebesitzer haben die Forscher nach der Beziehung zu ihren vierbeinigen Freunden befragt, verschiedene Charakteristika über Tiere und Halter erhoben und deren Interaktionsverhalten beobachtet. Besonderes Augenmerk lag dabei auf artgerechter Haltung, Fachwissen und Kommunikation zwischen Hund und Herrchen. "Wir haben erstmals den Fokus auf die wechselseitige Beziehung zwischen Mensch und Hund gelegt. Die Folgen dieser Beziehung für den Hund und dessen Bedürfnisbefriedigung waren nämlich bisher kaum Thema", erklärt Wechsung. Generell habe man den Hundebesitzern gute Noten aussprechen können, doch ein Viertel der untersuchten Mensch-Hund-Beziehungen sei mangelhaft, die Hunde würden nicht ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten - hochgerechnet treffe dies auf immerhin eine Mio. Hundebesitzer in Deutschland zu. Bei den Recherchen kristallisierten sich drei verschiedene Haltertypen heraus. Die größte Gruppe der Hundehalter, 43 Prozent, lasse sich als "naturverbunden und sozial" beschreiben. Sie schätzen die Lebensweise mit dem Hund, beschäftigen sich viel mit ihm und sind gegenüber anderen Menschen überaus kontaktfreudig. Im Umgang mit dem Tier verhalte sich dieser Typ aufgrund seines hohen Fachwissens selbstbewusst und souverän. "Er gibt klar den Ton an und ist sehr um eine gute Erziehung des Hundes bemüht", erläutert Wechsung. Weitere 35 Prozent der Halter fallen in die Kategorie "emotional gebunden und stark fixiert". Solche Halter sehen den Hund als ihren engsten Freund, teils gar als Partnerersatz. "Der Hund ist für ihn das Wichtigste im Leben, dementsprechend geht er liebevoll und bewusst mit dem Tier um", meint Wechsung. Ein knappes Viertel der Hundehalter würde ihren Vierbeiner allerdings nur als "Prestigeobjekt" sehen, mit dem sie Selbstbewusstsein und Ansehen steigern wollen. "Der Hund kommt dabei nicht auf seine Kosten, denn der Halter beschäftigt sich nur sehr ambivalent mit ihm und baut keine enge Beziehung zum Tier auf", sagt die Psychologin. "Seine eigenen Bedürfnisse sind ihm wichtiger als die des Hundes. So ist seine Fachkenntnis eher gering und das Verhalten gegenüber dem Hund meist inkonsequent und unbeherrscht." Wie Mensch und Tier miteinander harmonieren, hängt also weniger vom Hund als vielmehr von der Einstellung am "anderen Ende der Leine" ab. Bis Jahresende will Wechsung einen "Person-Dog-Fit-Test", basierend auf den Studienergebnissen, entwickeln. "So kann man für sich feststellen, welcher Typ man ist und was das für die Mensch-Hund-Beziehung bedeutet bzw. ob man sich überhaupt einen Hund anschaffen sollte." Für individuelle Auswertungen können sich Hundebesitzer und solche, die es werden wollen, unter http://www.mensch-hund.com vormerken lassen. Die Frage, ob man sich überhaupt ein Haustier, nicht nur einen Hund, anschaffen soll, halte ich für die wichtigste. Denn ein Tier ist keine Sache, die man bei Nichtgefallen einfach im Tierheim entsorgen sollte. Dass es dennoch ständig passiert, ist grausam. Für die Tiere, die nicht verstehen, warum sie keiner liebt. Hier muss man ansetzen, und nicht erst da, wo der Typ an der anderen Seite der Leine bereits alles falsch gemacht hat - bis zum "Ableinen" ins Tierheim.
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