| Onlinesüchtig. Sexsüchtig |
| Geschrieben von Inca Vogt | |||||
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Online-liebende sind eine neue Spezies. Eine, die nicht beschränkt ist auf vereinsamte Spinner, die im Leben keine Partnerin finden. Das Phänomen Onlineliebe und Onlinesex schleicht sich auch bei scheinbar ganz normal Liebenden ein, die nach außen hin eine reale Partnerschaft leben und eine höhere Bildungsstufe haben.
Menschen, die Sexseiten und Seiten fürs virtuelle Lieben im Internet intensiv nutzen, outen sich selten. Es ist ein Tabuthema. Und es ist ein Thema, das zunehmend auch psychische Auswirkungen hat. Wer sich exzessiv den Sexkick im Internet sucht, riskiert zwar keine direkten körperlichen schäden, aber die Psyche ist massiv gefährdet. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung, die Forscher der Swinburne University of Technology http://www.swinburne.edu.au in Australien durchgeführt haben. Demnach weisen Besucher von Erotik-Seiten im Web "alarmierend hohe Raten" an Depressionen, Angstgefühlen und Stress auf. Die Suche nach sexueller Befriedigung im Internet wird für viele innerhalb kürzester Zeit regelrecht zur Sucht. Dies führt dazu, dass Betroffene letztendlich mehr als zwölf Stunden pro Woche auf Pornoseiten, Plattformen für Sex-Kontakte, in Erotik-Chats oder mit Webcam-Angeboten verbringen. Laut Studie ist der Großteil der Betroffenen männlich und verfügt über einen höheren Bildungsgrad.
"In Deutschland ist von den drei Arten der Internetsucht eindeutig die Online-Sexsucht am stärksten ausgeprägt", stellt Gabriele Farke, Onlinesucht-Beraterin und Initiatorin des Selbsthilfe-Portals Onlinesucht.de http://onlinesucht.de, fest. Diese Variante sei in der Öffentlichkeit zwar immer noch ein Tabu-Thema, werde aber zunehmend auch als Problem ernst genommen. "Aus der Berufspraxis kann ich nur bestätigen, dass sich die überwiegende Mehrheit der betroffenen Suchtkranken in diesem Bereich aus jungen 24- bis 29-jährigen Männern rekrutiert", ergänzt Farke. Auffallend sei der besonders hohe Anteil an Studenten. "Der hohe Bildungsgrad zieht sich durch alle Onlinesucht-Ausprägungen", merkt Farke an. Die näheren Hintergründe hierfür seien nicht leicht zu durchschauen. "Besonders gebildete Menschen haben anscheinend oft den Eindruck, dass sie sich jederzeit von ihrer Sucht losreißen können. In der Regel dauert es aber Jahre, bis sie sich ihr Problem eingestehen", meint Farke.
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