| Selbstmord im Chat |
| Geschrieben von Redaktion | |||||
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Und alle gucken zu. Hunderte waren online dabei, als der 19jährige Abraham Biggs seinen Selbstmord via Webcam aufzeichnete. Reagiert haben die meisten nicht, sie nahmen den Hilferuf einfach nicht ernst. Sie glaubten an einen Fake. Als endlich jemand reagierte, wurde der Junge tot aufgefunden. Jetzt wird die Schuldfrage diskutiert.
Wie die New York Times berichtet, hatte Biggs Online-Selbstmord zu den unterschiedlichsten Reaktionen bei den Zuschauern geführt. Einige hatten den jungen Mann gar angespornt, jene Pillen zu schlucken, die vermutlich zum Tod führten.
Erst nachdem Biggs das Bewusstsein verloren hatte, riefen einzelne Zuseher offenbar die Polizei. In vielen Blogs und Internet-Foren spekulierten die Leute in den vergangenen Tagen darüber, ob sich der 19-Jährige vielleicht gar nicht umbringen, sondern mit seiner Live-Übertragung um Hilfe schreien wollte. "Wenn jemand Suizid oder die Absicht dazu androht, handelt es sich niemals um einen Scherz. Es verdient immer Aufmerksamkeit und ist grundsätzlich ein Schrei nach Hilfe", sagt Joshua Perper, der verantwortliche Untersuchungsarzt in Broward County, wo Biggs lebte.
Rein rechtlich sind solche Plattformen in den meisten Ländern kaum oder gar nicht zu fassen. In Großbritannien wurde im vergangenen Sommer erstmals der Ruf nach strikteren Gesetzen laut, um Schlupflöcher für die Seitenbetreiber zu schließen. Auch in Deutschland gibt es bis dato keine gesetzliche Grundlage, die das Betreiben von Pro-Selbstmord-Seiten generell verbieten würde.
Laut einem im Web in Umlauf befindlichen Screenshot hatten zum Zeitpunkt, als die Polizei Biggs Zimmer betrat, jedenfalls 181 Menschen zugeschaut. Im angeknüpften Chatroom hatten Leute die gängigen Kürzel zu "oh my God" (omg) und "laugh out loud" (lol) getippt. Der Vater des Verstorbenen kritisierte in einem Interview mit der Agentur Associated Press (AP), die mangelnde Verantwortung seitens der Nutzer und auch der Plattform-Betreiber. "Als menschliches Wesen sieht man jemandem in dieser Situation nicht einfach zu, lehnt sich zurück und verfolgt das einfach mit", klagt Abraham Biggs Sr. Gleichzeitig fordert er irgendeine Art der Regulierung für derlei Vorfälle.
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